Flügel und Barock – ein Dialog

.... ich möchte gar nicht wissen, wo diese Figur genau herkommt, denn es tut nichts zur Sache - Ein paar Fragen hätte ich aber schon:
Warum schraubt man einer Figur Flügel an den Rücken? Nur, weil ein Holzstück normalerweise gerade für die Figur reicht, und die Flügel so breit sind, dass ein anderes Stück Holz dazugeschraubt wird - als eine Möglichkeit Arbeit und Abschnitt einzusparen?

Ist denn der Flügel hier ein althergebrachtes Symbol für das Göttliche, Himmlische? Oder hatte da jemand die Fluggeschichte des Ikarus vor Augen? Vielleicht hängt da jemand sehnsüchtig seinen unglaublichen Flugträumen nach? Und, hat der unschuldige Blick mit einem Räucherfass in der Hand und Flügel am Rücken etwas zu tun?

Ungewöhnlich ist jedenfalls diese lässige Haltung der Flügel. Weder Start, noch Landeposition wie bei der Nike von Samothrake, könnte diese Figur auch ohne Flügel ganz gut so leben. Es fehlt auch diese Sehnsucht nach Erdung wie bei Wim Wenders Damiel als er im Himmel über Berlin auf den Schultern der Goldelse sitzt. Die Aufmerksamkeit ist auf das Räuchern gerichtet. Sehr normal irgendwie.

Wozu braucht es eigentlich diese Rüstungsteile? Diesem Damiel sind die dann recht unsanft auf den Kopf gefallen. Aber vielleicht ist das nur ein Überbleibsel antiker Formensprache, war doch Nike immer in der Nähe irgendwelchen Schlachten -Hurra, Viktoria?

Wie schön, sich einmal von der Strenge der Abstraktion zu lösen und das üppige Barocke zuzulassen. Sogar mit ein wenig Gold dran. Wo ja auch das Barocke hier überall ist, mitsamt der ganzen Beladung des Bayernbarock, des Absolutismus, der katholischen Bildertradition, den unübersehbaren Spuren der frühen Schwanthaler. Kann das jemanden stören? Wie schön, dieser üppigen Formensprache nachzugeben! Dieser kindliche Faszination nachzuspüren? So richtig, in Eiche und mit Blattgold.

Ausstellungsansicht

Räuchernder Engel (Leihgabe aus dem Stadttormuseum Schärding/Inn)
Im Dialog mit
>hasty<, 2011/2014, Eiche, Fichte Stahl, vergoldete Rosette, ca. 120cm
>supine<, 2014. Stahl (4mm Rohre, vergoldeter Flansch), ca. 180cm.

 

 

 

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