›In Schwebe‹

An der Kante zwischen Natur und Kultur, wo der Rost als Ausdruck der Rückkehr von Eisen in seinen natürlichen Oxydzustand eingefroren, und Corten mehr noch als der klassische Stahl verharrend ohne seiner eingeschriebenen Schwere, ist dieser wetterfeste Baustahl ein ‚schickes’ Material geworden. Und es bleibt dennoch umstritten, ob es dann immer noch Schrott und Müll oder doch ein beständiges edles Metall sei – unentschieden zwischen SCRAP und GLORY – im besten Fall durch seine Entropie beschreibbar. Auch an der Kante zwischen Skulptur und Architektur schafft dieses Material den Sprung zwischen diesen Welten – zwischen Funktion und der reinen Form definiert es Räume und hüllt diese ein -- und bleibt doch der Oberfläche verhaftet. Gerade bei diesem Projekt wo eine nicht ganz freiwillig transformierte Fassade beinahe funktionslos geworden wäre, aber als reine Form eine Kulturfunktion übernimmt, wird diese Ambivalenz besonders spürbar. Auch die aktuelle Transformation des Kraftwerkes in Riedersbach, die Auswirkung auf die damit verbundenen Menschen, die Region, aber auch die Zukunft des Stahlparkes – dieser Manifestation einer unbeschreiblichen Fülle künstlerischen Schaffens, die Entwicklung der Künstlergruppe sind offener denn je. Das alles ist durch einen Begriff gut umschreibbar: >IN SCHWEBE<. Als der Komet Tschurjumow-Gerassimenko von uns Menschen in Form der Rosetta-Fähre Besuch bekommen hat, wurden uns Bilder zur Erde gefunkt, die dieses Schweben so wunderbar illustrierten. Sei es dieser Komet bestehend aus schwebende Steinbrocken in der Größe der Riedersbacher Region, der offenbar immer wieder in zwei Teile zerfällt und sich wieder schwebend vereinigen, oder einfach nur ein Wassertropfen, der schwebend sich in der Wolke hält, bis er zu groß wird – das Schweben erscheint uns wie ein paradiesischer Zustand, den wir ersehnen und gleichzeitig vermeiden, weil er uns das Unendliche vor Augen führt. (Stahlsymposium Riedersbach 2016; Corten)

>SO< 2016 Corten (3mm), ca 230cm

>ES< 2016, 3mm Corten, ca 3.9m, 250kg auf Betonsockel

 

 

 

 

 

 

 

 

 

ES

Das S als Buchstabe und das ES als das Abstrakte schlechthin sind Ausgangsform dieser Arbeiten. Die Spannung liegt zwischem dem ES und dem ICH, im Über-ES und Über-Ich, dem Innen und Aussen, mit all den Schwierigkeiten der klaren Unterscheidung. ES ist die Welt und auch literarisch spannt sich der Bogen von biblischen Wendungen bis zur Beschreibung undefinierbarer Bedrohungen in der Gegenwartsliteratur. ES ist das Andere und doch untrennbar mit uns selbst verbunden. Formal bewegt sich diese Stahlplastik in Schwebe zwischen abstrakt und figürlich.

 

 

 

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>SE< 2016, 3mm Corten, ca 2.3m

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>MIR< 2016, 3mm Corten, ca 2.3m

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